Geschichte der Borbecker SPD und ihrer Ortsvereine

Vor über 100 Jahren gründeten Sozialdemokraten ihre eigene Parteiorganisation in der damals selbständigen und größten preußischen Bürgermeisterei Borbeck. Zu ihrem Vorsitzenden wählten sie den 33 Jahre alten Heinrich Wolf, der in der Rechtsstraße sein Zuhause hatte. Dieser Name steht für alle, die 1901 mit dabei waren, und auf die wir heute mit Stolz und Dankbarkeit zurückblicken können. Ihr aufopferungsvolles Eintreten für Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit hat in den vergangenen 10 Jahrzehnten immer wieder Menschen beflügelt, die sich zu unserer Partei, der ältesten in Deutschland, bekannten und bekennen. Sozialdemokraten hat es schon vor 1901 in Borbeck gegeben. Mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lassalle, am 23. Mai 1863, begann in Deutschland die Geschichte der Sozialdemokratie. Vier Jahre später, am 23. Juni 1867, feierte dieser Verein beim Wirt Müller in der Kastanienallee das Stiftungsfest.

Auch Borbecker gehörten zu denen die gekommen waren. Am 23. August 1867, wählten die stimmberechtigten Männer den Norddeutschen Reichstag. Einer der Kandidaten im Wahlkreis Essen, zu dem auch Borbeck gehörte, war der Lassalleaner Wilhelm Hasenclever. Mit ihm kandidierte erstmalig ein Arbeiterkandidat. In Borbeck entfielen auf ihn allerdings nur 99 Stimmen. 1875 erlebten die hiesigen Sozialdemokraten die Vereinigung der von August Bebel sechs Jahre zuvor gegründeten „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ mit den Lassalleanern zur „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“. Als sich nach dem Fall des Bismarckschen Sozialistengesetzes im Oktober 1890 die Partei unter dem bis heute bestehenden Namen "SPD" neu formierte, da zählten wieder auch Borbecker zu ihren Mitgliedern. Sie waren es dann, die 1901 ihre eigene Parteiorganisation gründeten.

In der Sonderausgabe der „Borbecker Nachrichten“ vom 28. Juni und in den Ausgaben vom 5. und 12. Juli 2001 stellten Andreas Eickholt, Günter Streich, Jörg Weiner und der Stadthistoriker Dr. Ernst Schmid zahlreiche Details zur Geschichte der Borbecker SPD vor. Dazu gehören Höhen und Tiefen, Erfolge und Niederlagen. In diesen Veröffentlichungen werden Genossinnen und Genossen lebendig, die mit ihrem Herzblut gekämpft, gestritten und gelitten haben, die solidarisch zusammenstanden, für die Demokratie und Freiheit nie leere Worte waren. Nicht wenige haben während des Kaiserreiches, trotz aller Schikanen der Polizei, die rote Fahne hochgehalten. In den Jahren von 1919 bis 1933 gehörten sie zu den Verteidigern der ersten deutschen Republik, deren Zerschlagung durch die Nationalsozialisten deshalb nicht verhindert werden konnte, weil sich nicht genug Menschen fanden, die bereit waren, das Unheil abzuwehren. Demagogie und Terror setzten sich durch. Die SPD-Reichstag-Fraktion unter Otto Wels stemmte sich als einzigste Partei am 31. Januar 1933 gegen das "Machtergreifungsgesetz" der NSDAP.

Die Liberalen und deren Fraktionschef Theodor Heuss, dem späteren Bundespräsidenten der Bundesrepublik, resignierten vor dem braunen Terror. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD von den braunen Machthabern in Deutschland verboten. Zuvor hatten sie schon die KPD verboten. Beiden Parteien raubte man die Mandate Stadtparlament. Für die Essener Zentrumspartei, aus der nach dem Ende der NS-Diktatur die CDU hervorging, kommentierte deren Fraktionsvorsitzender Callenberg diesen Willkürakt damals mit den nicht zu begreifenden Worten, seine Fraktion freue sich, dass jetzt die Stadtverordnetenversammlungen endlich wieder „den Geist und die Würde zeigen, die der Selbstverwaltung geziemt.“ Mehr noch, er und die Mehrheit der Zentrumsfraktion unterschrieben den Ehrenbürgerbrief für Adolf Hitler. Von den Nationalsozialisten verboten wurden nur die SPD und die KPD. Alle anderen Parteien lösten sich selbst auf oder ließen sich gleichschalten. In den Jahren 1933 bis 1945 gehörten auch Sozialdemokraten aus Borbeck zum Widerstand gegen das NS-Regime. Die Genossen Hermann Rotthäuser, Gustav Streich, Otto Meister, Karl Koch, Max Marx, Georg Einig, Willi Jöhren und Johann Klein verurteilten die Machthaber zu Zuchthaus, Gefängnis und Konzentrationslager. Johann Klein presste man aus dem Konzentrationslager ins Strafbatallion 999. Er kam nicht mehr nach Borbeck zurück und zählt zu den Essener Opfern der braunen Diktatoren. Am 11. April 1945 rückten amerikanische Truppen in Borbeck ein. An jenem Tage saß der Genosse Fritz Labudat in seiner Notwohnung im Schulgebäude an der Wüstenhöferstraße und schrieb in sein Tagebuch: „Heute haben wir starken Beschuss. Verschiedene Granaten landen auf dem Bahndamm. In der Bocholder Straße gibt es ein paar Tote. Ich gehe nach oben und setze mich in den Sessel. Nachdem ich eine Weile gesessen, stehe ich auf und gehe ans Fenster und nun sehe ich, dass auf dem kleinen Häuschen uns gegenüber mehrere weiße Fahnen flattern. Jawohl! Jetzt entlädt sich die Spannung in der ich die ganze Zeit mich befunden.

“Für Fritz Labudat und andere Genossinnen und Genossen stand fest: Die NS-Diktatur ist vorbei. Mit Mut und Entschlossenheit traten sie aus dem Untergrund hervor, krempelten die Ärmel auf und beteiligten sich am Aufbau eines demokratischen Staates. Stellvertretend für alle die dabei waren, will ich hier nur die Namen Hermann Rotthäuser und Gustav Streich nennen. Gustav Streich zählte am 7. Februar 1946 zu den 60 Stadtverordneten, die, von der Besatzungsmacht ernannt, damit begannen, in unserer Stadt die Wunden des Krieges zu heilen. Gustav Streich vertrat auch die SPD im damals ernannten Borbecker Bürgerausschuss. Die Essener honorierten zunehmend die Politik der SPD. Bei den Wahlen im Oktober 1948 wurde sie in der Stadt und auch in Borbeck stärkste Partei. Zwei Jahre später, am 15. September 1951, vor einem halben Jahrhundert, feierten die Borbecker Sozialdemokraten ihr 50 jähriges Jubiläum mit einer großen Kundgebung in der Box-Arena, gegenüber dem Schloss.

Parteivorsitzender Kurt Schumacher überbrachte persönliche Glückwünsche und sprach zu den Kundgebungsteilnehmern. Anderntags fand in den Borbecker Kammerlichtspielen eine Morgenfeier statt. Die Geburtstagsfeier schloss am Abend des gleichen Tages mit einem Bunten Abend in der Gaststätte Mellis im Weidkamp, die schon zur Kaiserzeit Parteilokal gewesen war. Der Weg unserer Partei in die zweite Hälfte des Jahrhunderts ist gepflastert mit vielen Erfolgen. Dazu gehörte die absolute Mehrheit bei den Stadtverordnetenwahlen im Jahre 1956, nach der, erstmalig in der Essener Geschichte, ein Sozialdemokrat Oberbürgermeister wurde. Einige Jahre später bekleidete unserer Genossin Berta Möller-Dostali als erste Frau das Amt einer Bürgermeisterin. Aus dem 1901 gegründeten Ortsverein sind inzwischen sieben geworden. Viele Genossinnen und Genossen haben zu den Erfolgen beigetragen. Nicht wenige weilen unter uns. So manchen hat der Tod aus unserer Mitte gerissen. Allen, jenen die heute noch leben sind, aber auch denen, die nicht mehr unter uns weilen, gebührt unser Dank und unsere Anerkennung. Ich möchte auf die Nennung von Namen verzichten, denn allzu leicht könnte jemand vergessen werden. Wer von Erfolgen spricht, darf aber Niederlagen nicht übersehen. Eine der schwersten Niederlagen erlebten wir im September 1999. Die Auswirkungen sind uns allen bekannt. Nachdem Sozialdemokraten 43 Jahre lang das Amt des Oberbürgermeisters innehatten, ist das jetzt nicht mehr der Fall. Auch in der Bezirksvertretung verlor die SPD die Mehrheit. Kommen wir nun zu den sieben Ortsvereinen, die aus dem Ortsverein Borbeck entstanden.
Im Laufe der Jahre nach 1945 wuchs der Ortsverein Borbeck zur mitgliederstärksten Gliederung im Essener Unterbezirk an. Über tausend Genossinnen und Genossen waren von ehrenamtlichen Funktionären nur nochschwer zu überblicken und zu führen. So entschied man sich auf Betreiben von Ludwig Wördehoff, dem damaligen Vorsitzenden und Ratsherren, die siebengegenwärtigen Stadtteilvereine einzurichten. Dabei fällt auf, dass die Ortsvereine auch in Berufsgruppen aufgegliedert scheinen. So lässt sich ersehen, dass z.B. Dellwig der 60er Jahre von Bundes-Bahn- und EVAG-Bediensteten besiedelt war, wo hingegen die Frintroper Genossen überwiegend bei der "Hütte" in Oberhausenbeschäftigt waren. Die letzten Bergbau-Siedlungen befanden sich in Schönebeck und Bergeborbeck. Diese Vereinfachung hat heute keine Gültigkeit mehr, denn der Strukturwandel des Ruhrgebietes hat auch in Borbeck seine Spurenhinterlassen. Daher verwundert es auch nicht, wenn sich die Berufsgruppen in den Ortsvereinen gewandelt haben: vom Arbeiter zum Angestellten, vom "Malocher" zum Dienstleister. Es zeigt aber auch, dass die SPD noch immer eine hohe Anziehungskraft auf "abhängig Beschäftigte" hat. Unter dem Einfluss der Borbecker Sozialdemokraten konnten sich die Stadtteileweiterentwickeln und an Attraktivität gewinnen. Dass hierbei auch Fehler gemacht wurden ist dabei zwangsläufig: die Sanierung des Borbecker Kernbereiches hätte sicherlich behutsamer erfolgen können. Andererseits ist es den Genossinnen und Genossen in Schönebeck und Bedingrade gelungen, ein Reservoir für Umwelt- und Naturschutz zu erhalten.

Die Grünflächen in den Siepentälern am westlichen Rand von Borbeck garantieren dem gesamten Raume Borbecks ein Frischluft-Filter von unverzichtbarer Bedeutung. Die Vorsitzenden des Ortsvereins Schönebeck/Bedingrade der letzten 30 Jahrewaren Hans Erdmann, Klaus Kunze, Hans Osbelt, Wolfgang Sykorra und Klaus Scholz. Die Ratsabgeordneten für diese Zeit waren Ernst Viehbahn, Inge Deumlich, Peter Reise, Helga Iwer und Tanja Krüger. Für die Bezirksvertretung waren Dieter Jochmann und Kurt Manthey tätig.

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